Rassismus bei Gayromeo-Usern

Wie ich an anderer Stelle schon bemerkt habe, finden sich in einigen Gayromeo-Profilen Kombinationen aus sexistisch-heteronormativen, rassistischen und i.w.S. bodyistischen Äußerungen – vor allem in der Form, dass bestimmte Personengruppen den User nicht anschreiben sollen (die „klassische Trias“ ist natürlich: Tunten, Dicke, Opas). Hier geht es mir vor allem um die Kombination der Ablehnung von „Tunten“ und „Asiaten“, die sich recht häufig findet.

Ein wenig provokant und makaber gefragt: Warum richtet sich dieser (mehrheitsdeutsche, schwule) Rassismus hier ausgerechnet gegen „Asiaten“ und weniger gegen andere ethnisierte Gruppen, etwa „Türken“ oder „Schwarze“? Und gibt es womöglich eine „innere Logik“ der Verknüpfung von „Asiaten“ und „Tunten?


Quelle: Screenshot von Gayromeo.de

Letztere Frage ließe sich bejahen, wenn man verschiedene Überlegungen zu kolonialrassistischen Genderkonstruktionen und -stereotypen anschaut. Dabei wird eine Traditionslinie der „Entmännlichung“ und Effeminisierung in der Darstellung asiatischer Männer deutlich, welche nicht zuletzt der Selbstkonstitution und Aufwertung der europäischen Vorstellungen von „harter“, „männlicher“ Männlichkeit diente.
Die Ablehnung von „Asiaten“ unter mehrheitsdeutschen Schwulen mag also seinen Ursprung vor allem in einer Form internalisierter Heteronormativität, nämlich in der sexistisch konnotierten Ablehnung effeminierter Männer liegen – und dabei wird, neben dem obligatorischen Feindbild der „Tunte“, Rückgriff auf das orientalistische Stereotyp des „unmännlichen Asiaten“ genommen.

Ganz anders scheinen vorherrschende Stereotype über „Südländer“, „Türken“ und „Schwarze“ zu auszusehen, diese mögen mit „harter“, man möchte fast sagen: archaischer Männlichkeit und großer sexueller Potenz (über gemutmaßte Penisgrößen muss ich hier nichts sagen) assoziiert zu werden – sprich, auch eine Form von Rassismus, wenn auch in vermeintlich netterer Gestalt. Das Wort hierfür lautet wohl: Exotismus. Auch diese Phantasien haben vermutlich ihren Ursprung in kolonialrassistischen Zuschreibungen.

In ihrem Aufsatz von 2006 unterscheidet Jennifer Petzen in diesem Kontext ebenfalls zwei Kategorien von, wie sie sie nennt, „rassisierter Anderer“, nämlich

das passive, feminisierte koloniale Objekt, das dominiert werden möchte, oder der gewalttätige, hyper-maskuline Südländer, der den weißen Mann auf Verlangen dominiert. (Petzen 2006, S. 177)


Quelle: Screenshot von Gayromeo.de

Den sexuelle Exotismus, mit dem vor allem das zweite Stereotyp verknüpft ist, bringt sie wie folgt auf den Punkt:

Hier wird der „Südländer“ oder „stramme Neger“ zu roher Gewalt und Macht reduziert, aber eine Macht, die nur dazu benutzt werden darf, weißes koloniales Begehren zu befriedigen. Die sich fortsetzende Präsenz dieser Anzeigen führt vor Augen, wie unverholen Rassismus in der weißen schwulen deutschen Community toleriert wird. (ebd., S. 178)

Diese Überlegung Petzens möchte ich wie folgt ergänzen: Rassismus in Form exotistischer Stereotype wird nicht als solcher wahrgenommen, er mag als nicht-politische, private Vorliebe gelten und sich somit weitgehend ungehindert fortsetzen. Ein Bewußtsein über die „soziale Unerwünschtheit“ von Rassismus findet sich dagegen nur in seiner expliziten, offen-feindseligen Form – und auch dies vor allem nur dann, wenn er sich gegen „Schwarze“ und gegen „Türken“ richtet. Bei „Asiaten“ greift dieses Tabu jedoch nicht – sprich: man traut sich viel eher, sich negativ gegenüber „Asiaten“ zu äußern, weil dies nicht als Rassismus wahrgenommen, sondern auch als persönliche, private Abneigung angesehen wird.

Literatur:
Petzen, Jennifer: Wer liegt oben? Türkische und deutsche Maskulinitäten in der schwulen Szene. In: Ifade (Hrsg.), In­si­der — Outs­i­der : Bil­der, eth­ni­sier­te Räume und Par­ti­zi­pa­ti­on im Mi­gra­ti­ons­pro­zess. Bie­le­feld : tran­script, 2005, 167ff.