Archiv für April 2010

„Männer und Frauen“ für Kinder

Zum letzten Eintrag passt, was ich vor kurzem hier entdeckte: Die Kinder-Version des SPIEGELS, der „Dein SPIEGEL“, erklärt in seiner Titelstory den Unterschied zwischen Männern und Frauen. So wird anscheinend auch Kindern dieses m.E. leider seit ein Paar Jahren wieder en vogue Thema untergejubelt. Hier meine Meinung dazu:

Derartige Artikel sind ja leidlich bekannt. Wissenschaftler (natürlich sind Naturwissenschaftler gemeint) haben mal wieder die Gehirne (oder Gene, oder Hormone – oder das Verhalten) untersucht, und sind dabei auf neue Aspekte des vermeintlichen Unterschieds aufmerksam geworden. Beliebt ist dabei auch ein Bezug zu den Affen oder Urmenschen. So ist im „Dein SPIEGEL“ zu lesen:

Früher, bei unseren Vorfahren, waren solche Unterschiede vielleicht noch wichtig: Männer konnten so womöglich besser mit Pfeilen auf Mammuts schießen und Frauen schneller Beeren und Nüsse im Wald sammeln. Einige Forscher halten diese Eigenschaften deshalb für Überbleibsel aus der Steinzeit.

Welches Interesse hinter dem immer wieder aufgewärmten und immer ähnlich ablaufenden Diskurs vom „natürlichen Unterschied“ steht, ist mir immer noch größtenteils schleierhaft; womöglich, so könnte ich mir zumindest vorstellen, besteht er z.T. in einem diffusen Wunsch nach Bestätigung und Begründung des bestehenden, essenzialistisch gedachten Geschlechterverhältnisses, den die Hirnforschung und die obskure Evolutionspsychologie auf beruhigende, weil naturalisierende Weise erfüllt.
Naja, vielleicht ist es nicht so einfach, zumindest nicht bei dem genannten Artikel. Dort wird nämlich ziemlich deutlich gesagt, dass trotz allem Rumgeforsche es anscheinend einen nur sehr geringen „natürlichen“ Unterschied gebe:

Auf der Suche nach echt angeborenen Unterschieden fanden Forscher nämlich – nicht viel. Jungen treffen beim Werfen besser das Ziel und können manche Aufgaben zum räumlichen Denken flotter lösen. Mädchen gehen ein bisschen geschickter mit ihren Fingern um.

Diese anscheinende Quintessenz des Artikels – Mädchen und Jungen sind eigentlich gar nicht so unterschiedlich – hätte eigentlich eine Steilvorlage bieten können, den allgegenwärtigen Unterschiedsdiskurs zu hinterfragen. Stattdessen aber, so kommt es mir vor, unterstreicht der „Dein SPIEGEL“ die allseits bekannten und beliebten Unterschieds-Klischees, etwa indem er Kinder nach diesen befragt.
O-Ton Hannes (10):

„Mädchen spielen immer so komische Sachen in den Pausen: Zum Beispiel tun sie so, als ob sie Pferde wären. Damit kann man doch nichts anfangen! Und sie sind immer so geheimnisvoll und tuscheln miteinander. Wenn man dann fragt, schicken sie einen weg.“

Direkt ins Auge springen allerdings die ganzseitigen Illustrationen, in der die beiden „Spezies“ Junge und Mädchen hinsichtlich ihrer unterschiedlichen Fähigkeiten und Vorlieben beinahe spiegelbildlich abgehandelt werden. Die Farben der Seiten sind, wen wundert es, Rosa und Blau.

Quelle:
http://www.spiegel.de/spiegel/deinspiegel/d-69667555.html;
http://wissen.spiegel.de/wissen/image/show.html?did=69667555&aref=image042/2010/03/29/CODEIN201000400100015.PDF&thumb=false;
beide zuletzt aufgerufen am 27.04.2010.

Queering Psychology

In dem Seminar „Queer und Intersektionalität“ der Uni Hamburg aus dem letzten Wintersemester sind einige interessante Texte entstanden. So fand ich z.B. diesen hier ganz wunderbar. Die Autorin, Lisa Bendiek, analysiert darin einen Text aus dem „Oerter/Montada“, DEM Lehrbuch der Entwicklungspsychologie, zur „Entstehung der Homosexualität“. Sehr lesenswert!