Böses (schwules) Blut

Vor einigen Tagen entdeckte ich in der Kölner Innenstadt ein Plakat, dass für den 14. 6., also letzten Montag, zu einem Flashmob auf dem Neumarkt aufrief. Ziel der Aktion war es, auf die Diskriminierung von Schwulen beim Blutspenderecht aufmerksam zu machen. Auf der Myspace-Seite der Aktion ist folgendes zu lesen:

Blutspenderecht unabhängig von sexueller Orientierung!!! Liebe Unterstützer_innen, Liebe Interessierte, nicht hetero-sexuelle Menschen sind derzeit von der Möglichkeit zur Blutspende ausgeschlossen. Auf diese zur Verurteilende Diskrimminierung möchten wir mit einer öffentlichen Aktion hinweisen.
[…]
Da ohnehin JedeR SpenderIn vor einer Spende auf eine mögliche Infektionskrankheit untersucht wird, ist eine Erlaubnis zur Blutspende auf Basis einer Einteilung in soge. “Infektionsrisikogruppen” ohne Ansehen der Person nicht nur völlig irrational, sondern konkreter Ausdruck gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit!

Von dieser Regelung hatte ich auch mal gehört, mich gewundert und nicht zuletzt folgendes gefragt: Welchen Sinn hat es, nach der sexuellen Orientierung zu fragen um dadurch eine etwaige Risikogruppen auszuschließen, wo doch jede_r letztlich ankreuzen kann, was sie_er will? Wenn ich also unbedingt Blut spenden will, auch wenn ich schwul bin, so kann ich das ohne weiteres tun, indem ich bei der Befragung einfach lüge.

Die Tatsache, dass jede_r persönlich darüber einfach hinwegsehen kann, ändert jedoch selbstverständlich nichts daran, dass hier so etwas wie eine stukturelle Diskriminierung vorliegt. Ich habe mich im Internet ein wenig umgeschaut und bin auf den Verein Schwules Blut gestoßen, der genau dagegen vorgeht.

Ich muss gestehen, dass ich mich jetzt nicht näher mit dem Thema beschäftigt habe. Dennoch glaube ich, dass die Arbeit von Schwules Blut e.V. und vergleichbarer Initiativen nicht unwichtig ist. Mag auch die juritische Lage zur Blutspende auf dem Papier gar nicht so explizit schwulenfeindlich sein 1, kommt es doch auch darauf an, wie ein solches Verbot öffentlich wahrgenommen und interpretiert wird und welche Klischees sich im Anschluss womöglich in den Köpfen der Beteiligten, z.B. der Ärzte, festsetzen. Ich denke da vor allem an die Gleichsetzung von „Schwul“ mit „(Aids-)krank“, die, unabhängig von einer mehr oder weniger vernünftigen Diskussion um (bezüglich HIV und STDs) risikante Sexualpraktiken, auch dazu führen kann, dass Schwulsein an sich wieder als pathologisch wahrgenommen wird.2

  1. Dort ist nämlich die Rede von „Personen, deren Sexualverhalten oder Lebensumstände ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheiten (HBV, HCV oder HIV) bergen“, was dann in einer Fußnote wie folgt ausgeführt wird: „-z.B. homo- und bisexuelle Männer, Drogenabhängige, männliche und weibliche Prostituierte,
    Häftlinge“ (Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen
    und zur Anwendung von Blutprodukten [Hämotherapie]. Aufgestellt gemäß Transfusionsgesetz von der Bundesärztekammer im
    Einvernehmen mit dem Paul-Ehrlich-Institut
    Gesamtnovelle 2005, mit Änderungen und Ergänzungen 2007. Download: http://www.bundesaerztekammer.de/downloads/RiliHaemotherapieGesamtnovelle2007.pdf, zuletzt aufgerufen am 18.06.2010.) [zurück]
  2. Ich habe genau dazu mal etwas gelesen, habe aber leider die Quelle vergessen. [zurück]