Schwarz, Rot, Gay: Stolz bewegt

Ein Freund sagte mir am Freitag, er würde dieses Jahr den Kölner CSD meiden, weil er befürchte, zu viel Schwarz-Rot-Gold sehen zu müssen. Wie es scheint, hat sich seine Ahnung bewarheitet: Bei Indymedia gibt es nämlich einen mit passender Fotostrecke versehenen Artikel:

Bei der diesjährigen Kölner Regenbogenparade, die der gewohnt langweilige Mix aus Loveparade und Karneval war, fielen jedoch die unzähligen Träger_innen von kleinen und großen Deutschlandfahnen auf, die ihr Schwarz-Rot-Gold in den bunten Reigen erfolgreich integriert haben – ohne dass es zu antinationalen Protesten gekommen ist.
Auch freuten sich einige, dass neben SPD, Grünen, Linkspartei, Piratenpartei und FDP dieses Mal auch die CDU mit ihren „Lesben und Schwulen in der Union“ (LSU) vertreten war, die sogleich die Homo-Ehe einforderte. Aber selbst bei Konservativen und Marktradikalen kennt in der Domstadt kaum jemand Berührungsängste, auch homosexuelle Christ_innen und die rosa Polizei sind ja beim Cologne Pride immer gern gesehen…

In den Jahren zuvor stand die Regenbogen-Demo ja noch unter einem halbwegs emanzipatorischen Motto („Unsere Freiheit hat Geschichte – 40 Jahre CSD“; „Null Tolerenz – für Null Toleranz“). Dass das Motto des bunten Umzuges 2010 ausgerechnet „Stolz bewegt“ lautete, ist in Zeiten von Fussball-Nationalismus jedoch kaum als Zufall anzusehen (Zum Glück hatte ein Unwetter am Tag zuvor dem Halbfinale-PublicViewing ein vorzeitiges Ende bereitet). Sexuelle Dissidenz wird also nicht als Chance für eine gesellschaftliche Weiterentwicklung angesehen, sondern es gilt die Regenbogenfamilie ins Herz der Nation zu schließen und solange zu integrieren bis sie ihre Freiheit in Tarnhosen am Hindukusch verteidigt.1

  1. http://de.indymedia.org/2010/07/285521.shtml, zuletzt aufgerufen am 06.07.2010 [zurück]

2 Antworten auf „Schwarz, Rot, Gay: Stolz bewegt“


  1. 1 frau_doktor 06. Juli 2010 um 14:49 Uhr

    wer hat etwas anderes erwartet?

    das wirklich auffällige ist doch eigentlich, dass die menschen nicht auffielen, die keine national-beflaggung am körper trugen, sondern sich vielleicht ein neutrales outfit wählten. immer wieder brauchen menschen farben, um sich irgendeiner politischen richtung zuordnen zu können; sei es, dass die neue bürgerliche spießigkeit mit grünen t-shirts auf dem wagen sitzt, sei es, dass pseudo-linke sich so viel rot auf den körper klatschen, dass ich mir am liebsten in den fummel machen würde vor lauter fremdschämen [und von ‚den anderen‘ mal abgesehen].

    ich konnte den kölner csd ein weiteres mal so wahrnehmen, wie ich es gewohnt bin: es gibt probleme? na, dann zapfen wir uns doch erst einmal ein kölsch und schunkeln uns unsere probleme bei lustiger karnevalsmusik weg…

    nee, schätzchen, das ist nix für mich! seien es national-symbole, seinen es parteipolitische zwangsidentitäten, seien es lesben und schwule, deren einzige aufgaben darin zu bestehen scheint, medial möglichst gut zu posieren!

    da bleibe ich lieber in der provinz und setze mich hier vor ort für die zukunft von menschen und ihre umgebung ein: ohne nation, rassismus, sexismus, homophobie und transphobie!

    in diesem sinne: stößchen!

  2. 2 Die SteinBus 08. Juli 2010 um 22:57 Uhr

    jaja ob das was mit provinz oder großstadt zu tun hat???

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