Da ist es mal wieder,…

…das dringendste Bedürfnis des homosexuellen Mannes: So schnell wie möglich „in der Mitte der Gesellschaft“ anzukommen. Darauf beruft sich zumindest die Zeitschrift „Männer“, wie ich so eben in einem Artikel auf Queer.de gelesen habe. Über den neuen Chefredakteur der Zeitschrift, Kevin Clarke, ist dort zu lesen:

Neue Chefredakteure setzen gern ihre eigenen Duftmarken. Clarke hat diese Möglichkeit voll ausgeschöpft und vieles im Heft umgebaut, wenn auch mit einer merkwürdigen Positionierung. MÄNNER solle „mehr in der Mitte der Gesellschaft ankommen, optisch und inhaltlich“, verkündet er im Editorial.

Die berühmt-berüchtigte Mitte! Ist ja eigentlich der Ort, von dem aus man gleich gut nach links oder rechts schauen kann. Im neuen Heft trifft man aber überraschend auf BILD-Volksbibelverkäufer Kai Diekmann und WELT-Redakteur Tilman Krause. Aber vielleicht war mit „Mitte“ ja auch nur die Haltestelle Berlin-Mitte gemeint? Kevin Clarke: „Eine Zeitschrift für Schwule sollte nicht aussehen, wie ein Nischenprodukt, das man sich nicht traut, im Zug neben einem Hetero-Nachbarn zu lesen. Vielmehr sollte der Hetero neugierig in die MÄNNER gucken und auch sagen können: Wow, das sind ja spannende Themen und tolle Fotos!“1

Ich finde das zum würgen! Und darüber, dass ein Ankommen in der Mitte der Gesellschaft auch eine stillschweigende Akzeptanz vorherrschender Sexismen miteinschließt, und ob die Tatsache, dass Kevin Clarke, laut Queer.de, auch mal beim deutschen Playboy gearbeitet hat, genau damit zu tun hat, möchte ich gar nicht nachdenken…

  1. http://www.queer.de/detail.php?article_id=13731 (16.03.11) [zurück]