Bundeszentralen-Postfeminismus

An anderer Stelle hab ich mich schon über Susan Pinkers Buch „Das Geschlechter-Paradox“ aufgeregt. Nicht genug, dass dieses, wie ich finde sehr antifeministisch-backlashige Buch anscheinend ziemlich populär ist, nein, es erhielt sogar eine Art offizieller Absegnung: Die Bundeszentrale für politische Bildung hat es in ihre Schriftenreihe aufgenommen! Würg!
Pinkers Buch habe ich nicht gelesen und auch mit dem Programm der BPB habe ich mich nicht auseinandergesetzt, aber auf Meckerei werde ich nicht verzichten: In perfider Weise trägt dieses Buch m.E. dazu bei, den Feminismus für veraltet und überflüssig zu erklären, dessen angebliche Gleichmacherei als wissenschaftlich überholt zu bezeichnen und die alte, eklige Leier von den (quasi-) natürlichen Unterschieden aufzuwärmen und mit dem vermeintlichen Gütesiegel „Tabubruch“ zu verdedeln:

Die Psychologin und Journalistin Susan Pinker geht der Frage der Geschlechterunterschiede nach und vertritt die These, dass die Geschlechter in Biologie, Entwicklung und Interessen von Anfang an verschieden sind. Ihr provokanter Ansatz lautet: Frauen, die ihre eigenen Neigungen, Fähigkeiten und Optionen ausleben, sind keine Mängelwesen, auch wenn ihre Entscheidungen anders aussehen als die von Männern. Vorzug einer postfeministischen Gesellschaft sei es vielmehr, den eigenen Neigungen zu folgen, anstatt tun zu müssen, was andere für passend halten. Das Buch plädiert dafür, die Unterschiede zwischen den Geschlechtern anzuerkennen, um die Motive und Entscheidungen von Frauen – und Männern – zu verstehen.1

Besonders eklig ist auch, wie ich finde, dieser Verweis darauf, dass Frauen und Männer ja etwas unterschiedliches wollen. Dies disqualifiziert nicht nur jede Form von Gleichstellungspolitik als Zwangsinstrument, sondern passt auch, so mein Eindruck, viel besser zu den neoliberalen Anrufungen der Selbstverwirklichung und -ökonomisierung als frühere, biologistische Unterschiedstheorien. Und dennoch haben beide Diskurse potenziell den gleichen Effekt: Sie können der Legitimation bestehender Ungleichheiten, z.B. in der Lohnarbeit, dienen.
Dass die Bundeszentrale ausgerechnet Pinkers Buch in ihr Programm aufnimmt, mag in Zeiten von Kristina Schröder nicht verwunderlich sein, ist und bleibt aber, so finde ich, und mag das Wort auch scheisse sein: Volksverdummung.

  1. http://www.bpb.de/publikationen/835PZ6,0,0,Das_Geschlechterparadox.html (20.03.2011) [zurück]