Archiv für Februar 2012

Lila Pudel ♥

Wenn ich es mir so überlege, sind Pudel eigentlich sympathische und vermutlich sogar recht intelligente Tiere. Maskulisten sind jedoch bekanntermaßen anderer Meinung, für sie ist die Bezeichnung „Pudel“, insbesonders „Lila Pudel“, ein Schimpfwort. Hinrich Rosenbrock schreibt in seiner kürzlich erschienenen Expertise:

So werden Männer, die dem Feminismus nahe stehen oder auch nur als politische Gegner identifiziert werden, als „Lila Pudel“ bezeichnet. Diese Degradierung spricht den Betroffenen ihre Eigenständigkeit, ihre Männlichkeit und ihre Menschlichkeit ab.1

Ein Blick in das maskulistische Wiki „WikiMANNia“ bietet uns eine sehr plastische Darstellung:

Ein Lila Pudel ist ein männliches Wesen, welches sich dem Feminismus andient, ohne dessen Glaubwürdigkeit und Wahrhaftigkeit zu überprüfen. […] Er kniet gern vor Frauen nieder, wenn er sich Vorteile davon verspricht und überläßt ihnen jede Definitionshoheit. Lila Pudel klatschen sogar Beifall, wenn eine Feministin die Minderwertigkeit des Mannes mit absurden Y-Chromosomen-Theorien erläutert. […]

Und weiter:

Der größte Feind des Arschkartenmannes [also desjenigen Mannes, der angebliches Opfer der angeblichen feministischen Vorherrschaft ist, r*z] ist jedoch der kleine männliche Kläffer im Schoß des Feminismus, ja dieser kleine schrill kläffende Pudel. Er beißt grundsätzlich nur von hinten in die Wade. Sein Lila-Schleifchen, meist am Geschlechtsteil befestigt, lässt die Besitzerin erkennen, vor allem wenn er auf Geheiß Männchen macht.2

Sicher – das ist nicht nett. Und sicher, die Maskulisten wollen mit dem Begriff alle (im weitesten Sinne) pro-feministische Männer beleidigen. Wenn Rosenbrock aber schreibt, der Begriff würde Männern ihre Männlichkeit absprechen (s.o.), dann sollte man sich darüber nicht beklagen, wie ich finde. Denn mit der darin implizierten Angst vor Männlichkeitsverlust würde man viel zu sehr in der unentspannten maskulistischen Denke verbleiben.
Ich dagegen finde weiterhin: Pudel sind nette Tiere und lila Pudel sehen dazu noch recht hübsch aus. Auch wenn es beleidigend gemeint ist, fühle ich mich nicht beleidigt, sondern bin eher amüsiert. Vielleicht werde ich mich in Zukunft sogar selbst als „Lila Pudel“ bezeichnen, vielleicht hat der Begriff sogar das Potenzial, ein Geusenwort zu werden und als politische Selbstbezeichnung zu fungieren. „Lila Pudel und stolz darauf“ heißt es also!

  1. Rosenbrock, Hinrich (2012): Die antifeministische Männerrechtsbewegung. Denkweisen, Netzwerke und Online-Mobilisierung. Expertise für die Heinrich-Böll-Stiftung. Schriften des Gunda-Werner-Instituts, Band 8. (als pdf downloadbar unter: http://www.boell.de/downloads/Antifeminismus-innen_endf.pdf), S. 15. [zurück]
  2. beide Zitate sind dem Eintrag „Lila Pudel“ der WikiMANNia entnommen. URL: http://wikimannia.org/Lila_Pudel (zuletzt aufgerufen am 12.02.2012). [zurück]

Gay Myths

Letztens stieß ich bei Facebook auf ein Foto, das mich beim genaueren Hinsehen ziemlich irritierte. Es zeigte einen TShirt-Print mit einer Liste von „Gay Myths“: „we want to sleep with you; you can spot us a mile away; one is the male, one is he female“, stand da zum Beispiel. Oder “We can’t be monogamous; we’re all into leather or feathers” und “we don’t have long term relationships, […] we’re all promiscuous, […] we flaunt our sexuality”.
Verwundert hat mich nicht die Aufzählung dieser homophoben Vorurteile, die sicherlich alle so oder so ähnlich im heterosexistischen Mainstream kursieren, sondern dass sie offensichtlich auch auf Lesben bezogen sind. Darauf deutet zumindest eine „Gay Myth“ dieser Liste („we just haven’t met the right man/woman yet“) hin – und die Tatsache, dass dieses Bild von der eher lesbischen Gruppe „The L Project“ gepostet wurde.
Die Mär von der zwanghaften Promiskuität, dem Hang zu Leder oder Feder, der dauernden Geilheit, der Tendenz zum Kinder-Verführen und dem zwanghaften Präsentieren der eigenen Sexualität ist, sei aber doch, so dachte ich, eigentlich ein Vorurteil gegenüber Schwulen, während Lesben viel eher mit einer bestimmten Form des Sexismus konfrontiert würden. Dieser spräche ihnen ihre Sexualität bzw. Begehrensform eher ab oder delegitimiere sie („die ist nur lesbisch, weil sie noch keinen Mann gefunden hat“) anstatt dass er ihnen eine „Übersexualisierung“ unterstelle. Kurz gesagt: Für den Sexisten* sind Lesben keine „Schlampen“.
Anscheinend hat aber eine Abstrahierung der Schwulen-Vorurteile und eine Übertragung auf Schwule und Lesben (wahrgenommen als „die Homosexuellen“) stattgefunden, der ich mir bisher gar nicht so bewusst war. Möglicherweise weil ich die Situation in den USA kaum kenne…