Archiv der Kategorie 'kram & quatsch'

Neues aus dem KindergarTeen

Als ich letztens in einem Buchladen stöberte, stieß ich auf eine Art überdimensioniertes BRAVO-Heft mit lauter quietschbunten Hochglanzbildern halbnackter Jungs –
die German Issue von Luis Venegas‘ „EY! Magateen“.

So ganz verstanden hab ich das alles nicht, aber irgendwie fand ich es interessant, da homo und hetero hier auf so uneindeutige, vielschichtige Weise miteinander verquickt sind: Halbnackte Jungs unter 20 werden hier, wie es mir scheint, ganz eindeutig zu schwulen Sexobjekten gemacht, und präsentieren sich dabei, als ob sie dies nicht wüssten.
Dabei wird, so ließe sich der Gedanke fortführen, einem schwulen Voyeurismus (wenn auch augenzwinkernd) entsprochen, der sich an hübschen, authentisch-jugendlichen Bengeln erfreut – ein Voyeurismus, den es ja vermutlich immer schon gab. Neu ist aber m.E. die Art und Weise, wie sich die Jungs im „Magateen“ als authentisch-jugendlich präsentieren, nämlich mittels pubertärem, heterosexistischem Narzissmus ( – so ist die Zeitschrift voll mit Überschriften, die vermeintliche Zitate der Porträtierten darstellen, etwa „Männer weinen nicht“, „Ich will meine Jungfräulichkeit nicht an eine Schlampe verlieren“, „Ich hol mir nie einen runter, ich steh auf Blowjobs“).
Auf diese Art und Weise sind die Jugendlichen nicht nur Objekte (homo-)sexualisierter Betrachtung, sondern gleichzeitig Subjekte schnöseliger, heterosexueller Selbstdarstellung.
Ulkig wird es dann, finde ich, wenn es so scheint, als ob die Jungs nicht wüssten, dass sie in einem Schwulenheft steckten, und sich zu kleinen Homophobien hinreissen lassen, die die Illusion einer authentischen Jugend perfekt machen. So wird etwa der porträtierte Vincent mit folgendem Satz zitiert: „Keiner meiner Freunde ist schwul. Hoffentlich.“

Dumbledores Jugendliebe

Dass Professor Dumbledore, Harry Potters Schulleiter, schwul ist, ist völlig an mir vorbei gegangen. J.K. Rowling hat es aber schon vor einiger Zeit verkündet. Bei Spiegel-Online war schon im Oktober 07 folgendes zu lesen:

[…] Bei ihrer ersten Lesereise in den USA seit sieben Jahren hat J. K. Rowling alle Unklarheiten über die sexuelle Orientierung des legendären Zauberlehrers beseitigt. Nachdem Rowling, 42, kurz aus dem letzten Band „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ vorgelesen hatte, wurde sie von einer Leserin gefragt, ob Dumbledore je seine „wahre Liebe“ gefunden habe. Rowling antwortete, sie habe „immer gedacht, dass Dumbledore schwul ist“. Das Publikum in der Carnegie Hall verstummte schlagartig – und brach dann in Applaus aus. Rowling fügte an, sie hätte ihre Gedanken über Dumbledore schon früher mit dem Publikum geteilt, wenn sie diese positive Reaktion vorhergesehen hätte.

In seiner Jugend sei Dumbledore in den gleichaltrigen Zauberer Gellert Grindelwald verliebt gewesen, so Rowling. Im siebten Band der Harry Potter-Reihe, in welchem Licht in Dumbledores Vergangenheit geworfen wird, findet die Freundschaft der beiden Erwähnung. Von Liebe oder Homosexualität ist dort aber explizit keine Rede.

Trotzdem: eine meiner Meinung nach erfreuliche Macke im ansonsten durch und durch heteronormativen Harry Potter-Universum. Schließlich ist es der „uralte und mächtige Zauber“, den Harrys Mutter auslöst, als sie sich für ihn opfert und der letztlich die Basis der gesamten Erzählung darstellt; aber nicht nur der notorische Verweis auf (verpasstes) Familie(nglück), auch der Hetero-Pärchenkram in Band 6 nerven!.

Erfreulich finde ich auch, dass Dumbledores Beinahe-Coming Out „aus dem Off“ so unaufgeregt daher kommt und sich stimmig in die explizite Charakterzeichnung des Schulleiters einreiht.
Gut ist m.E. außerdem, dass Dumbledore kein Sideshow-Quotenschwuler ist, sondern einer der wichtigsten Personen und Sympathieträger der Buchreihe. Er ist zudem niemand, der wegen seiner (wie auch immer gearteten) Homosexualität scheitern, böse werden oder sterben muss – wie es in früheren Zeiten oft für homosexuelle (Rand-)Figuren der Fall war (wenn mich mein kulturwissenschaftliches Halbwissen nicht trügt…).

Ganz im Gegenteil – derjenige, der böse wird, ist sein Ex-Geliebter Grindelwald, dieser wendet sich der „Dunklen Seite“ zu und wird eine Art Vor-Voldemort. Unklar ist, ob Gellert Dumbledores Liebe damals erwidert hat. Rowling hat sich hierzu nicht geäußert. Wenn dem aber nicht so war, könnte man sich mit ein wenig Phantasie eine interessante Geschichte zusammenreimen: Der schwule Dumbledore war in seinen besten Freund verliebt, dieser ist Hetero und (deshalb?) bösartig und lässt ihn abblitzen. Dumbledore wird später zum Inbegriff des Guten und besiegt viele Jahre später den bösen, heterosexistischen Grindelwald.
Dennoch will ich dem ganzen nicht allzu viel queer-subversives Potenzial zusprechen, kann man die kurze Freundschaft zwischen den beiden doch, wie ich finde, auch ganz anders lesen…

Soweit ich mich an das Buch erinnere, kommt Grindelwald in das Dorf, in dem Dumbledore lebt, beide lernen sich kennen und sind sehr schnell begeistert von einander. Sie erkennen, dass sie beide potentielle Zaubergenies sind und entwerfen hochfliegende Pläne, die mit Überzauberertum und Machtergreifung zu tun haben. Wenn ich mir nun anschaue, wie Grindelwald und Dumbledore in der Verfilmung aussehen sollen, wunderhübsch, androgyn und engelhaft, dann kommt mir das ganze wie ein elitär-romantischer, leicht faschistoider schwuler Mythos vor…