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Der postfeministische Wahn

Sehr gut gefallen hat mir Katharina Voß‘ Text über den sogenannten „Postfeminismus“. Vor allem an einer Stelle bringt sie den ganzen Irrsinn dieses Diskurses auf den Punkt:

Ganz zentral ist für den alltagskulturellen bzw. massenmedialen Strang auf jeden Fall ein Diskurs über vermeintliche ‚Tabus’, ‚Dogmen’ etc. des Feminismus, die ‚gebrochen’ werden müssen. Dogmen wie: alle Frauen hassen alle Männer (also alle Feministinnen, aber unter ihrer diktatorischen Herrschaft auch alle anderen Frauen), Frauen haben die Diskurshoheit über Geschlecherthemen, Frauen sind Opfer, Frauen sind die besseren Menschen, alle Männer werden sofort diskursiv ausgegrenzt oder kastriert oder gleich abgeschafft und am Ende ist alles so wie bei den Töchtern Egalias, der Feminismus diktiert Frauen ein Verhalten und eine Weltsicht, mit denen sie eigentlich nicht einverstanden sind. Der Feminismus beherrscht also die Welt, und dabei hat die Frauenbewegung die Gesellschaft ins Chaos gestürzt: desorientierte und von Geschlechterrollenbildern überforderte Männer und Frauen, Kinderlosigkeit wegen weiblichem Karrierismus und überzogenen Ansprüchen in der Partnerwahl, Singlegesellschaft, gewalttätige und schulversagende Jungen, kinderlos gemachte und abgezockte Väter. In den bürgerlich-liberalen Infomedien ließ sich das in den letzten Monaten z.B. in der bevölkerungspolitischen Panik angesichts des ausbleibenden biodeutschen Nachwuchses und in der Debatte um Vaterschaftstests verfolgen.

Ein beispielhafter Text dafür, wie nicht nur paranoide mittelalterliche Männer, sondern auch hippe junge Frauen sich fleißig an dem kollektiven Totreden des Feminismus beteiligen, ist Katja Kullmanns Generation Ally. Warum es heute so schwer ist, eine Frau zu sein. Kullmann macht ein inklusives ‚Wir’ auf, mit dem heterosexuelle Frauen Mitte Dreißig, Karrierefrauen mit Krönung-Light-Berufen, Frauenzeitschriften- und Ratgeberliteraturleserinnen gemeint sind. Frauen, die in den Achtzigern verinnerlicht haben, daß Gesellschaftskritik der jetzt auch ihnen offenen Karriere im Weg steht, die sich von den 68ern abgrenzen mußten, die strukturellen Sexismus total verleugnet haben, weil sie nicht als unsexy Emanzen oder, schlimmer noch, als Lesben gelten wollten (homophobe und rassistische Untertöne sind keine Seltenheit in Kullmanns Buch: Lesben sind häßliche Hysterikerinnen, und Emanzipation stinkt so ekelhaft wie man selber aus dem Mund, wenn man gerade einen Döner gegessen hat) und sich plötzlich gewundert haben, warum doch nichts mehr geht, wenn sie Lust auf Kinder haben oder auf den richtig steilen Karrieresprung. Statt einer kritischen Infragestellung ihrer Streberinnenexistenz und der Frage, was es bedeutet, wenn strukturelle Ungleichheiten auch noch von den negativ Betroffenen selber geleugnet werden (und wie man sie dazu bringt), kommt aber nur eine vage Diagnose zum Schluß bei raus, daß man irgendwie denkt, irgendwas sei komisch gelaufen und ja, die GlobalisierungskritikerInnen und Charlotte Roche sind ja auch irgendwie sexy trotz Gesellschaftskritik, und überhaupt müßte Feminismus wieder sexy sein. Fragt sich nur, für wen.1

  1. http://sexism-sells.so36.net/Postfeminismus.html (24.03.2011) [zurück]

Zum Gehirn was auf die Ohren

Für alle vielbeschäftigten Genderist_innen, die keine Zeit zum Lesen haben, sich aber trotzdem gute Argumente zum Thema „Hirnforschung“ und „biologische Geschlechterdifferenz“ wünschen, hier ein paar Links zu interessanten Podcasts:

Kerstin Palm – Was kann die biologische Forschung über Geschlechterunterschiede aussagen?

Sigrid Schmitz – Was ist dran am kleinen Unterschied? (Quelle: hier)

Außerdem will ich außdrücklich auf die Vorträge von Heinz-Jürgen Voß hinweisen:

Heinz-Jürgen Voß – Biologisches Geschlecht ist gesellschaftlich hergestellt.

Heinz-Jürgen Voß – Das Geschlecht der Gleichen.