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Zwischenrassismus

Dass Rassismus und Pr0n leider oft zusammengeht, dürfte allgemein bekannt sein. Dass es aber dabei im Internet und in Zeiten der Übersetzung per Google auch noch zu zusätzlichen unfreiwilligen Rassismen kommt, habe ich vorhin bemerkt. Würg!

zwischenrassismus

Gesehen und gescreenshotet bei www.cam4.com.

Judith Butler, der CSD und der Rassismus

Zum „19.06″ gab es ja jetzt schon eine ganze Menge Reaktionen. Viele haben Butlers Ablehnung des CSD-Preises begrüßt, viele haben trotz grundsätzlicher Zustimmung auch Kritik geäußert. Ich glaube, ich kann da erstmal nichts wirklich Schlaues mehr hinzufügen und verweise lieber auf die umfangreiche Diskussion und Linksammlung im mädchenblog (vgl. auch hier und hier.)

Was mir spontan noch in den Sinn kam, als ich die Reaktionen der CSD-Organisator_innen z.B. in dem 3Sat-Feature sah, war folgendes:

Natürlich gefällt es niemandem, mit dem Vorwurf, Rassismus zu dulden oder gar selbst rassistisch zu sein, konfrontiert zu werden. Von daher sind die Reaktionen irgendwie verständlich. Doch darüber hinaus befürchte ich, dass einem Eingestehen der eigenen Rassismen seitens der CSD-Leute noch ein weiterer Aspekt im Wege steht, nämlich dass beide „Parteien“ unterschiedliche Begriffe von Rassismus haben.

Rassismus, so meine Überlegung, mag für die CSD-Veranstaltenden vor allem ein Phänomen der gesellschaftlichen Ränder sein; nur Neonazis könne man von daher zu Recht Rassismus vorwerfen. In der „gesellschaftlichen Mitte“ gebe es hingegen in Deutschland nach ’45 keinen Rassismus mehr, höchstens die als weitaus weniger beunruhigend erachteten „Vorurteile“ gegenüber „Migranten“.

Die Kritiker_innen des CSD dagegen operieren, so meine Vermutung, mit radikaleren Rassismusbegriffen: Rassismen, z.B. in Form der Konstruktion von Weißsein oder Okzidentalität/Westlich-sein, seien grundlegend für die Konstitution „westlicher“ Gesellschaften und Identitäten und somit auch und vor allem in der „Mitte“, der „Mehrheitsgesellschaft“, zu verorten. Die Tatsache, dass weißen Deutschen dies nicht bewußt sei, sei letztlich Effekt ihrer hegemonialen Position in der rassistischen Konstellation. Das Privileg, weiß zu sein, bliebe also unbemerkt.

Mein Wissen über rassismuskritische Theorie ist beschränkt, vielleicht sind meine Überlegungen auch nicht so wirklich treffend. Wenn sie aber in die richtige Richtung gehen, könnte ich mir vorstellen, dass eine Annäherung beider Seiten schwierig sein wird, solange eine Klärung des Verständnisses von Rassismus ausbleibt – oder, parteiisch formuliert, solange die CSD-Leute und der schwullesbische Mainstream sich nicht auch auf einer theoretischen Ebene selbstreflexiv mit Rassismus auseinandersetzen.